Wer hungert, lebt länger

Nach dem anhaltenden Jubel auf meinen gestrigen Blogeintrag, dem ersten seit einem halben Jahr Blogbestehen, muss ich ja gleich wieder an die Tastatur. Soeben komme ich vom Neujahrsempfang der berühmten Charité in Berlin. Der Festredner, ein Amerikaner aus Boston mit deutscher Abstammung, hat mich mit seinem Vortrag sehr beeindruckt. An Affen und Mäusen wird seit Jahrzehnten geforscht, wie der Alterungsprozess sowie die sogenannten Wohlstandskrankheiten Adipositas und Altersdiabetes beim Menschen aufzuhalten sind: indem man ihn hungern läßt. Es wurden Bilder gezeigt von Affen und Mäusen, die seit 20 Jahren wohl genährt leben und solchen, die seit 20 Jahren hungern. Letztere sehen einfach jünger und besser aus. Nun will man natürlich den Menschen nicht allzu sehr hungern lassen. Deswegen hat dieser junge, von mir auf etwa 40 Jahre geschätzte (vielleicht aber auch aufgrund von Hungerkuren wesentlich ältere) Unternehmer mit 170 Millionen Dollar Kapital und einigen hochkarätigen gleichgesinnten Wissenschaftlern eine biotechnologische Firma gegründet. Dort werden Tabletten hergestellt, die ermöglichen, das der Mensch hungert, trotzdem alt wird und dabei noch jugendlich aussieht. Mehr und mehr beschlich mich im Laufe des Vortrags der Verdacht, dass er nur dazu dienen sollte, auf ein karges, nicht satt machendes Festbuffet vorzubereiten. So kam es dann auch. Es wurden kleine Kartöffelchen auf Spießen gereicht, etwa 1,5 cm im Durchmesser große Brothäppchen mit Belag, kleine Gläschen mit Süssspeisen, kleine Salathäppchen mit einem Shrimps drauf. Zugegeben: alles sehr wohlschmeckend. Aber um satt zu werden, hätte man sicher 20mal an dem Buffettisch vorbeigehen müssen. Und das ist ja nun jedem peinlich. Also muss ich jetzt mal in meinen Kühlschrank gucken, um zu sehen, was der noch zu bieten hat. Aber: Ich bin heute abend klüger geworden und jünger. Super!

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